10 Jun, 2009
Nichtraucher per Spritze – Erfahrungsbericht Neurasan
Verfasst von: flo In: Erfahrungsberichte| Gesundheit

Dieter Schütz / pixelio
Nichtraucher leben länger und besser. Ein guter Grund, um mit dem Rauchen aufzuhören, also habe ich das vor zwei Tagen in Angriff genommen – und zwar mit Neurasan, ein homöopathisches Mittel, dass die Entzugserscheinungen verschwinden lassen und damit den Ausstieg aus dem Rauchen wesentlich vereinfachen soll.
Was mich dazu bewogen hat, über dieses Thema zu schreiben, ist die Tatsache, dass es anscheinend wenig objektive Erfahrungsberichte zu Neurasan im Internet gibt. Als ich im Vorfeld recherchierte, war es jedenfalls schwierig, hilfreiches herauszufiltern – vor allen in Foren bekriegen sich die Leute anscheinend recht heftig zu dem Thema. Oft hört man den Vorwurf, die Verfasser positiver Artikel seien von Hernn Gross (dem Erfinder und Verabreicher der Neurasan-Therapie) bezahlt worden bzw. er habe es selbst geschrieben. Deswegen möchte ich hier im Vorfeld ganz klar sagen, dass alles, was ich hier schreibe, auf meinen eigenen Erfahrungen von vor zwei Tagen beruht und mir auch niemand Geld gegeben hat.
Vorgeschichte
Um meine bisherige Abhängigkeit kurz anzureißen: Ich rauche seit 13 Jahren. Durchschnittlich 20 – 25 Zigaretten am Tag, am Wochenende sind es dann auch mal 30 – 40. Ich habe schon mehrer Versuche, das Rauchen aufzugeben, hinter mir – und die Dauer des Erfolges ist bei jedem Versuch kürzer geworden. Beim ersten Mal 1 Jahr, beim zweiten Mal ein halbes Jahr und beim dritten Versuch noch nicht einmal mehr einen Tag. Deswegen habe ich – nachdem ich im Bekanntenkreis viel gutes darüber gehört habe – mich für die Neurasan Therapie entschieden.
Ablauf der Neurasan-Therapie
Zu finden ist die Praxis von Herrn Gross relativ einfach, das riesige Neurasan-Schild sowie die auf der Straße vor dem Haus stehenden Raucher, die ihre – hoffentlich – letzte Zigarette genießen, sind nicht zu übersehen. Ich hab mich dann mal dazugestellt und ebenfalls meine vermeintlich letzte Zigarette geraucht. Wer es noch nicht weiß, die Praxis befindet sich in Uchtelfangen im Saarland – ich selbst habe das Glück, nicht allzu weit weg davon zu wohnen.
Im Anschluss ging es erst mal nach drinnen, wo uns Herr Gross routiniert und mit Standard-Witzchen (die dennoch recht amüsant waren) zunächst mal über das Patent und die Tatsache, dass er der einzige ist, der diese Therapie anwenden darf, aufgeklärt hat. Und darüber, dass andere Therapien, die sich in dieser Richtung versuchen, maximal mit einem Placebo-Effekt als wirksam erweisen. Klang für mich ein Bisschen nach massivem “Mein Produkt ist das einzig wahre und alles andere unwirksam”, aber da es ja anscheinend in der Tat Probleme mit Nachahmern und ähnlichem gibt, meinetwegen.
Des Weiteren gab es noch ein paar Ratschläge zum Verhalten nach der Neurasan-Spritze (viel Wasser zur Unterstützung der Entgiftung trinken, keinen Kaffee, keinen Tee) und noch ein paar allgemeine Informationen zum Thema Rauchen und Aufhören, die aber jedem, der sich mit dem Thema “Nichtraucher werden” auseinandergesetzt hat, schon wissen sollte.
Dann gab’s noch einmal Warten – die Leute wurden in der Reihenfolge mit der Spritze versorgt, in der sie eingetroffen waren – da ich der letzte war, hat das schon ein Weilchen (ca. eine Stunde) gedauert, bis ich drangekommen bin – zum Glück habe ich immer meine elektronische Bibliothek dabei. Außerdem habe ich so z.B. mitgekommen, dass eine der Anwesenden zum zweiten Mal da ist – nach 2 Jahren des Nichtrauchens. Und das eine andere nach einer Woche nun zur Nachbehandlung kommt. Jedenfalls habe ich das Warten genutzt, um noch 2 weitere letzte Zigaretten zu rauchen.
Als es dann endlich soweit war, musste ich zunächst mal einen Anamnese-Fragebogen ausfüllen und dann wurde endlich gespritzt. Positiv kann man dazu sagen, dass der Vorgang sehr schnell von statten ging – innerhalb von vielleicht einer oder maximal zwei Minuten hatte ich die jeweils acht Neurasan-Stiche in jedem Ohr. Wehgetan hat es trotzdem höllisch, das mag aber meine Empfindlichkeit gewesen sein. Von den fünf Leuten, die vor mir dran waren, hat nur eine sich über die Schmerzen beim Spritzen beklagt, der Rest war da unempfindlicher.
Schlussendlich musste ich mir noch zwei Minuten lang Taschentücher feste auf die Ohren drücken, wohl um die blauen Flecken zu vermeiden, über die an anderen Stellen oft geschrieben wird. Ich selbst habe keinerlei blaue Ohren davongetragen und das auch bei keinem der anderen Patienten beobachten können. Wehgetan haben mir die Ohren allerdings schon den ganzen Tag lang, allerdings nicht besonders tragisch. Wer schön sein will, muss bekanntermaßen leiden. Wer gesund sein will, wohl auch.
Die Wirkung
Nun zum interessanten Punkt des Neurasan-Erfahrungsberichtes: Bin ich jetzt Nichtraucher? Hat es gewirkt / geholfen?
Nun, ich bin in meinem dritten Tag des Nikotinentzuges und von wirklichen Entzugserscheinungen keine Spur. Ich habe einen mehr oder weniger “frischen” Vergleich, wie es sich ohne Neurasan anfühlt, da ich erst vor einigen Monat mit kaltem Entzug versucht habe, und dahingehend hilft es anscheinend sehr gut.
Was mir allerdings geblieben ist, ist das psychische Verlangen nach Zigaretten in bestimmten Situationen. Und das ist auch heute noch da. Sowohl gestern als auch vorgestern habe ich noch alte Tabakbeutel in meiner Wohnung gefunden (sowas sollte man natürlich im Vorfeld tunlichst ausmisten – ich war leider schlicht zu faul dazu) und mir prompt eine Zigarette gedreht. Allerdings habe ich dann auch irgendwie wieder die Stärke gefunden, die gedrehte Zigarette und den Tabak in den Mülleimer zu werfen, bevor ich sie tatsächlich geraucht habe.
Reine Willenssache oder Neurasan? Ich weiß es nicht. Ich glaube aber, dass ich in Kombination mit den normalen, körperlichen Entzgssymptomen der Versuchung nicht hätte widerstehen können.
Fazit
Neurasan ist meiner Meinung nach kein Wundermittel. Man kann nicht darauf hoffen, durch eine Spritze zum Nichtraucher zu werden, wenn man eigentlich gar nicht wirklich aufhören will. Aber wenn man den Entschluss gefasst hat, ist es eine fantastische Hilfe und meiner Meinung nach allemal sinnvoller als Nikotinpflaster & Co. Dadurch, dass die üblichen Entzgserscheinungen wegfallen, hatte ich ein paar Dämonen weniger zu bekämpfen und es deswegen auch bis jetzt durchgehalten.
Die Spritze kostet übrigens im Moment 90 Euro – wenn ich es einen Monat durchhalte, nicht zu rauchen, haben sich die 90 Euro für das Neurasan schon gerechnet. Mal ganz abgesehen von dem gesundheitlichen Plus. Ich kann es jedenfalls empfehlen, und der Andrang bei Herrn Gross aus aller Herren Länder spricht ja eigentlich auch für sich.
Man sollte sich aber nicht allein darauf verlassen, sondern auch alles an Hilfen mitnehmen, was man kriegen kann – ich habe mich z.B. zusätzlich auf nichtraucher.de angemeldet und mir vorgenommen, noch einmal “Endlich Nichtraucher” von Allen Carr durchzulesen, sowie eine entsprechende Hypnose-CD zur Unterstützung heranzuziehen. Doppelt genäht hält besser.
Andere oder ähnliche Erfahrungen mit Neurasan? Ich freue mich über jeglichen Kommentar und ergänzenden Erfahrungen.
Update 22. Juni 2009: Immer noch Nichtraucher und keine Gelüste, das zu ändern. Scheint so, als hätte mich die Neurasan Raucherentwöhnung wirklich entwöhnt.