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02 Jun, 2009

Auch du kannst smalltalken – das “kleine Gespräch” für Anfänger und Fortgeschrittene

Verfasst von: flo In: Social Life

Manche können Smalltalk, manche nicht – aber vermeiden lässt er sich nur, wenn man sich in den Keller einschließt und nie wieder herauskommt. Wozu allerdings vermeiden? Smalltalk ist mehr oder weniger die einzige Möglichkeit, mit einem uns gänzlich unbekannten Menschen ins Gespräch zu kommen. Smalltalk wird häufig eher als sehr oberflächliche Form der Konversation wahrgenommen, aber es geht dabei ja eben genau nicht um den Austausch ungemein tiefsinniger Aussagen, sondern vielmehr um ein “Beschnuppern”, ein Beginnen oder Festigen einer zwischenmenschlichen Beziehung. Smalltalk ist wichtig, und deswegen hier ein Artikel für diejenigen, die in diesem Bereich bei sich Schwächen sehen oder sich verbessern möchten.
Was bringt uns Smalltalk ein?

Machen wir uns erst einmal nochmal bewusst, welche Vorteile wir von Smalltalk haben:

  • Soziales Netzwerk – Man erweitert seinen Bekannten-/Freundeskreis
  • Beliebtheit – Menschen, mit denen man sich gut unterhält, mögen einen
  • Spaß – Smalltalk kann schlicht und einfach Spaß machen
  • Training – Man verbessert mit jeder Snalltalk-Situation seine Smalltalk-Fähigkeiten
  • Selbsterkenntnis – man kann sich selbst beobachten und analysieren, wann und mit wem man sich wohlfühlt
  • Selbstbewusstsein – Mit dem Trainingseffekt einher geht der Verlust der Scheu des Kontaktes zu anderen Menschen und man wird selbstbewusster im Umgang mit diesen
  • Horizonterweiterung – Auch in Gesprächen, denen es an bedeutsamen Erkenntnissen und Weisheiten mangelt, können wir viel über einen anderen Menschen (und auch über uns selbst!) in Erfahrung bringen
  • Freund- und Partnerschaft – Wer weiß, vielleicht entsteht aus einem kleinen Plausch auch irgendwann einmal mehr

Es bringt also offensichtlich einige Vorteile, sich über Belanglosigkeiten zu unterhalten. Da stellt sich dann logischerweise die Frage:

Warum fällt manchen Menschen Smalltalk so schwer?

Viele haben das Gefühl, dass Smalltalk etwas Minderwertiges ist, weil man an sich nur offensichtliches (das klassische “Schönes Wetter heute, nicht wahr?” kommt einem dabei in den Sinn) und belangloses Austauscht – aber wie schon eingangs gesagt: Es geht gar nicht um den Informationsaustausch beim Smalltalk. Ein weiteres Problem, dass aus dieser Haltung entsteht: Man versucht krampfhaft, etwas geistreiches oder gehaltvolles zu sagen, und da nun mal nicht jeder ein geborenen Comedian oder Philosoph ist, entstehen dann diese peinlichen Pausen im Gespräch.

Gerade aber offensichtlich Offensichtliches eignet sich gut, um ein Gespräch zu beginnen.

Wie man es sich schwer macht – und wie nicht.

Im Smalltalk geht es nicht darum, besonders witzig oder schlau daher zu kommen. Wie gehabt, damit legt man sich nur selbst Steine in den Weg – eine 5-Minuten-Pause bis man sich etwas überlegt hat, treibt ein Gespräch nicht gerade voran. Smalltalk soll ein “leichtes” Gespräch sein!

Was die Auswahl der Themen angeht, die für den Einstieg in Smalltalk geeignet sind, bietet sich stets offensichtliches und naheliegendes an – nicht zuletzt das immer passende Gespräch über das Wetter. Hier einige Beispiele:

  • In Abhängigkeit von dem Ort, an dem man sich befindetm können Einrichtungsgegenstände, Architektur ein Gesprächsthema sein – die ganze Umgebung
  • Als Gast bei einer Party oder einem Essen bietet sich z.B. die Frage “Und, woher kennen Sie den Gastgeber?” an
  • Das Outfit des Gegenübers kann ein Gesprächsgegenstand sein – Formulierungen wie “Meine Güte, haben Sie wenigstens den Friseur verklagt, der Ihnen diesen Witz von einer Kopfbehaarung verpasst hat?” sind natürlich eher unangebracht, dann doch eher “Wo haben Sie denn diese fantastische Jacke her?”
  • Auch sich selbst kann man als Gesprächsthema verwenden, jedoch am besten immer im Kontext mit dem Gesprächspartner: “Ich habe bemerkt, dass sie …, das mache ich auch gerne.”
  • Der Beruf des Gegenüber ist ein ähnlicher Klassiker, wie das Wetter, und auch genauso wirksam
  • Aktuelle Themen, die z.B. in den Nachrichten behandelt wurden (dabei aber vorsichtig! Siehe die Liste der zu meidenden Themen weiter unten).

Zusätzlich erleichtert ein freundliches Lächeln, wenn man den anderen anspricht, den Einstieg in die Kommunikation und bricht das Eis.

Offene Fragen und Interesse zeigen – wie man die Konversation vom Wetter an weiterführt

Der wahre Treibstoff für eine fließendes Gespräch sind offene Fragen, also solche, die sich nicht mit “ja” oder “nein” beantworten lassen. Denn “ja” und “nein” offenbaren keinen Ansatzpunkt, an dem man weitermachen kann. Wenn der Gegenüber jedoch erklären oder erzählen “muss”, kann man daraus durchaus weitere Gesprächspunkte ziehen.

Beispiele für offene Fragen wären:

  • Was denken Sie über …
  • Was für Erfahrungen haben Sie mit … gemacht?
  • Was meinen Sie dazu?
  • Wie hätten Sie sich verhalten, wenn … ?

Interesse am Gegenüber zeigen ist ein weiterer, essentieller Punkt. Wieviel Spaß wird es wohl machen, sich mit jemandem zu unterhalten, der dauernd auf die Uhr schaut, ein Gähnen kaum unterdrücken kann und zudem dauernd sprunghaft das Thema wechselt, weil er dem anderen nicht richtig zugehört hat? Statt dessen sollte man aufmerksam zuhören und wann immer es angebracht scheint, Fragen stellen.

Interesse heucheln…

…ist eine ganz schlechte Idee. Wirkt das Interesse am Gespräch und/oder am Gesprächspartner gekünstelt und unehrlich, verliert man schnell an Glaubwürdigkeit. Stattdessen sollte man versuchen, echtes Interesse zu entwickeln, was eigentlich nicht weiter schwer sein sollte: Jeder Mensch ist anders, in kleinerem oder größeren Maße, als wir selbst. Wenn wir uns darauf einlassen, können wir von dieser Andersartigkeit profitieren, in dem wir Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen und neues dazulernen. Es gibt als Grund genug, wirklich interessiert zu sein.

Prinzipiell zahlt es sich aus, mehr zuzuhören, als selbst zu sagen. Im Normalfall reden Menschen gerne selbst und genießen es, wenn ihnen jemand aufmerksam zuhört.

Gemeinsamkeiten finden

Findet man eine Gemeinsamkeit, dann ist schon die halbe Miete bezahlt. Nichts eignet sich besser, als ein gemeinsames Hobby oder andere, gemeinsame Interessen, wenn man Smalltalk betreiben will.

Die kleinen Details

Immer schön die Augen offen halten – kleine Details können besonders guter Gesprächsstoff sein. Man kann nach der Herkunft eines Schmuckstückes, dem Buch, dass auf dem Tisch liegt und ähnlichem fragen.

Distanz wahren

Es gibt verschiedene Distanzzonen (hier ein interessanter Beitrag zum Thema Distanzzonen im Focus-Online) – die intime, die persönliche und die öffentliche – in die wir fremde Menschen hereinlassen und uns damit wohlfühlen – oder auch eben nicht. Uns interessiert dabei im Moment genau eine: Die persönliche. Sie beträgt in etwa einen Meter und sie ist die Spielwiese für einen klassischen Handtrag oder – wie unschwer zu erraten ist – Smalltalk. Das man sich beim Smalltalk außerhalb dieser Zone bewegt, ist unwahrscheinlich – nur wenige können ein lockeres, entspanntes Gespräch laut rufend über 10 m Distanz aufrechterhalten. Was aber um jeden Preis vermieden werden muss, ist das Eindringen in die intime Zone, denn das wird unter Umständen vom anderen als bedrohlich oder als Grenzverletung wahrgenommen.

Gesprächsthemen, die man meiden sollte

Vor allem, wenn man seinen Gegenüber nicht kennt, gibt es einige Gesprächsthemen, die dem Konzept eines lockeren Gespräches schwer im Wege stehen und die es deswegen zu meiden gilt, solange man die Person nicht besser kennt:

  • Persönliche Probleme
  • Lästern
  • Gerüchte
  • Finanzielle Situation
  • Religion
  • Politik

Ganz zum Schluss noch eine Buchempfehlung (ich habe es nicht selbst gelesen, aber die Bewertungen sehen ganz gut aus :) ): Praxisbuch Small Talk: Gesprächseröffnungen, Themen, rhetorische Tricks

So, ich hoffe, dass ich damit dem einen oder anderen weiterhelfen konnte. Viel Spaß beim Smalltalken ^_^

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Dein Kommentar


  • Ferdinand: Großartige Idee! Danke für deinen Beitrag! Muss ich mir merken! Geruß, Ferd
  • Anonymous: Es gab ja soweit ich weiß auch diese perversen versuche in Russland Man nimmt Zwillinge und den einen läßt man behühtet aufwachsen den anderen
  • Anonymous: Von einem Schüchternen der das Mißverständiss wenigstens glaub ich das es so ist begriffen hat und ab jezt seine Schüchternheit verlohren hat w

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