Nachdem offensichtlich einige Menschen auf der Suche nach einer Beispiel-Grabrede auf meinem Artikel “Die eigene Grabrede schreiben” gelandet sind, habe ich mich dazu entschlossen, eine Anleitung für das Schreiben einer Grabrede zu schreiben – die Bewältigung von Trauer hat ja letztendlich auch etwas mit glücklichem Leben zu tun. Und – um das Bedürfnis der Suchenden zu befriedigen – findet sich am Ende auch noch eine Beispiel-Grabrede.
Kurz vorweg: Ich werde, um nicht jedes mal “der/die Verstorbene” oder “er/sie” schreiben, sondern von einem männlichen Verstorbenen ausgehen, was die Grabrede natürlich nicht weniger für weibliche Personen geeignet macht.
Informationen sammeln
Zunächst einmal macht es Sinn, einige Daten zu sammeln. Wobei man auf jeden Fall sichergehen sollte, dass diese auch stimmen – ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es sehr unangenehm ist, Dinge in einer Grabrede zu hören, die schlichtweg nicht korrekt sind.
Hier jetzt ein paar Beispiele für Dinge, die beim Verfassen der Grabrede hilfreich sein können:
- Alter
- Familie/Kinder
- Hobbies
- Wichtige Daten im Leben des Verstorbenen
- Was hat er erreicht?
- Fähigkeiten
Als nächstes macht man sich Gedanken über die folgenden Fragen:
- In welchem Verhältnis hast du zu dem Verstorbenen gestanden?
- Was machte ihn besonders?
- Welche Ereignisse haben dich besonders berührt und warum?
- An was wirst du dich immer erinnern?
- Was mochtest du an ihm?
- Was wirst du am meisten vermissen?
- Was ist ihm besonders gelungen? Was ist sein “Meisterstück”?
Worüber man schreiben kann
Aus den gesammelten Informationen kann man nun an das Erstellen der Grabrede gehen. Einige Ansätze, die sich einbauen lassen:
- Eine kurze Zusammenfassung des Lebens, in der du die Sachen hervorhebst, welche den meisten der Menschen, die ihn kannten, neu sind.
- Erwähne die verschiedenen Rollen, die er in seinem Leben gespielt hat.
- Zolle den Höhepunkten und Meilensteinen, die der Verstorbene erreicht hat, Anerkennung.
- Erzähl von speziellen Momenten, die du mit dem verstorbenen geteilt hast.
- Erwähne, was und wen er hinter sich lässt.
Wie man schreiben kann
Wie kann man die Grabrede nun aufbauen? Womit kann man sie noch befüllen?
- Erinnerungen aufzählen mit wiederholtem “Ich erinnere mich an …”.
- Geschichten erzählen, die den Verstorbenen in ihnen “wieder zum Leben erwecken”. Freunde/Familie können dabei helfen, solche Geschichten zu finden.
- Eine Aufzählung wichtiger Ereignisse.
- Ein Gedicht oder ein Zitat einbinden (so etwas lässt sich en masse im Internet finden z.B. hier)
Nun wie angekündigt, ein Beispiel. Es handelt sich um eine Übersetzung der hier befindlichen englischen Grabreden, wer also des englischen mächtig ist, der kann sie sich dort im Original anschauen (da findet sich auch noch eine Grabrede für eine Tochter). Die Übersetzung ist recht frei und von jemandem, dessen Schulenglisch schon Jahre zurückliegt, also bitte mit Kritik an dieser Stelle zurückhalten, danke :)
Im Endeffekt soll es ja nur einen Denkanstoß für die eigene Grabrede geben und keine Vorlage, in der nur noch der Name fehlt, sein.
Beispiel: Grabrede für Großvater
Henry James sagte einmal, Leid kommt in großen Wellen… aber es rollt über uns, und obwohl es uns beinahe unter sich begräbt, lässt es uns an der Stelle stehen, und wir wissen, wenn es stark ist sind wir stärker, da es vorrübergeht, aber wir bleiben.
Mein Opa stand nie gerne im Mittelpunkt, und wenn er heute bei uns wäre, würde er wollen, dass wir uns nicht auf ihn sondern auf uns konzentrieren. Er würde nicht wollen, dass wir uns auf die Trauer über seinen Tod konzentrieren, sondern dass wir auf das Glück schauen, dass wir in unseren Leben finden. Er würde wollen, dass wir uns anschauen und zu schätzen wissen, was wir zusammen haben und was wir hoffen, besser zu machen.
Ich finde sehr viel Trost in den schönen Gefühlen, die meine Erinnerungen in mir auslösen. Ich erinner mich daran, wie ich als kleines Kind im Haus meiner Großeltern übernachtete. Wir bauten Forts und Spukhäuser im Keller und ließen sie dann durchgehen. Morgens gab es immer ein riesiges Frühstück für meine Brüder und Schwestern und mich. Pfannkuchen, Waffeln, Muffins, Schinken, Würstchen, Orangensaft, Milch und sogar Kuchen. Ich musste mich immer für ein paar Stunden hinlegen, nachdem ich dort gegessen hatte.
Ich erinnere mich an alle Ferien, Opa hat sich als Nikolaus verkleidet und sogar als Osterhase. Bis ich zwölf war habe ich nicht bemerkt, dass er es war. Ich war immer voller Vorfreude, wenn er durch die Küchentür kam, mit einem Sack voller Geschenke. Wir haben auf seinem Schoß gesessen und er hat Spielzeuge und Süßigkeiten verteilt – es hat so viel Spaß gemacht.
Opa hat immer mit uns gespielt. Stimmen imitieren konnte er besonder gut. Er hat Brettspiele mit uns gespielt und wollte uns immer Ein-Mark-Stücke geben. Wir hatten Wettrennen im Hinterhof um Geldstücke. Er nannte das die “Mini-Olympiade”. Wir machten Wettrennen, Torschießen und Schwimmwettbewerbe. Er hat gelacht und gelacht und uns ein Geldstück nach dem anderen gegeben. Wir haben es geliebt.
Opa hat immer gesagt, dass seine Enkel ihn jung halten würden. Das gab uns ein gutes Gefühl. Ich kann erkennen das mein Vater sein fröhliches und liebendes Wesen von Opa hat. Er war ein großartiger Lehrer, nicht nur für meinen Vater und und uns sondern für jeden. Er war selbstlos und freundlich. Er liebte es, ein Vater und ein Großvater zu sein. Es war seine Berufung im Leben.
Opa, ich werde deine Umarumungen und dein Lachen vermissen. Du warst ein perfektes Vorbild in meinem Leben und ein großartiger Freund. Wenn ich einst oben bei dir bin, vergiss nicht, mich daran zu erinnern, dass ich dir noch einige viele Mark-Stücke schulde. Ich hoffe du nimmst sie an als Dankeschön für all die wundervollen Erinnerungen, die du mir gegeben hast.
So, ich hoffe, ich konnte damit weiterhelfen. Es gibt auch Bücher über Grabreden, Groß scheint die Auswahl allerdings nicht zu sein – hier ein Beispiel auf amazon.de: Tröstende Worte und Reden im Trauerfall (Partnerlink)