Jahrelang habe ich mehr oder weniger vergeblich nach einer sinnvollen Begründung für meine verschwenderische Ader gesucht. “Bild der Wissenschaft” hat mich jetzt endlich von meiner Ahnungslosigkeit erlöst: Laut einer Studie der Universität von British Columbia hat das Geben einen direkten Einfluss auf die eigene Zufriedenheit:
Wer sein Geld nicht nur für den eigenen Nutzen ausgibt, ist glücklicher. Schon fünf Dollar am Tag reichen, um dem persönlichen Glücksgefühl einen Schub zu verpassen und eine deutliche Steigerung der Zufriedenheit auszulösen.
Aber das ist noch längst nicht alles, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat.
Geben lässt länger Leben denn Nehmen
Das geht zumindest aus den Thesen von Prof. Dr. med. Volker Faust hervor – und wer will da widersprechen? Wenn expirementell bestätigt ist, dass Geben zufriedener macht – ist es nicht naheliegend, dass zufriedene Menschen länger leben?
Tatsächlich lässt sich in entsprechend groß angelegten Studien über den dafür notwendigen Zeitraum bestätigen, dass soziale Kontakte den Sterblichkeits-Zeitpunkt hinauszuschieben vermögen; (…) Nun bestehen soziale Kontakte aus mehreren Aspekten: z. B. ausgeglichen oder jeweils mit Schwerpunkt auf Geben bzw. Nehmen. Interessant vor allem Letzteres, denn da fanden die Wissenschaftler: Wer soziale Kontakte eher passiv erhält, dem geht es zwar besser, aber bei weitem nicht so gut wie den Gebenden.
Doktor Faust spricht aber im Gegensatz zu den Experimentatoren der British Columbia nicht von Geld- sondern vielmehr von sozialen “Gaben” (unter denen sich besonders das “interessierte Zuhören” als äußerst wirkungsvoll erweisen soll).
Das geht auch näher am Leben – selbst experimentieren
Studien mögen schön und gut sein und mir immerhin den theoretischen Hintergrund dafür geben, warum ich gerne mal eine Runde in der Kneipe gebe oder den Sorgen meiner Freunde zuhören. Leider sehe ich aber keine Möglichkeit, einen Maßstab an meine Zufriedenheit anzulegen oder zu überprüfen, ob sich meine Lebenserwartung gesteigert hat. Viel interessanter für den Alltagsgebrauch sind da doch wirklichkeitsnahe Eigenversuche.
Bedauerlicherweise kann ich hier keine Quelle angeben, weil ich nicht mehr weiß, wo ich das las, aber: Es hat sich jemand die “Mühe” gemacht, im Selbstversuch herauszufinden, wie weit einen das Geben denn bringt. Und die Ergebnisse waren durchaus positiv – auf die eine oder andere Weise hat er für jegliches selbstloses “Geben” am Ende etwas zurückbekommen. Entscheidend allerdings: Nur wenn es wirklich selbstlos ist, stehen die Chancen gut, belohnt zu werden. Wer schon mit der Intention, etwas bestimmtes zu bekommen, Selbstlosigkeit heuchelt, ist schnell durchschaut – und hat dann eher einen negativen Effekt (das ist jetzt alles in der Tat sehr vage – wenn jemand zufällig über den Artikel stößt, auf den ich mich hier mit meinem schwachen Gedächtnis zu beziehen versuche, möge er mir bitte Bescheid sagen).
Fazit: Geben ist wesentlich seliger denn Nehmen
Größere Zufriedenheit, ein längeres Leben und direkte Entlohnungen als Folge von guten Taten – wer trotz all dieser Vorteile immer noch der Meinung ist, sich einer Mainstream-Ellbogen-Gesellschaft anpassen zu müssen, dem ist eben nicht zu helfen. Wer glücklich sein möchte, sollte versuchen, andere glücklich zu machen. Also: Ärmel hoch und jeden Tag eine gute Tat – dann klappt’s auch mit den Nachbarn.